Gestern ist es passiert. Kragen geplatzt, Geduld am Ende, Bini explodiert.
Von Anfang an…
Ich habe mich – wie jeden Morgen – über unsere spiegelblanke Eiswüste zum Bus gekämpft (mit Spikes und Stock), was statt gut 5 Minuten unter normalen Bedingungen dann eben 15 Minuten gedauert hat. War kein Problem, ich kenne das ja und bin extra 10 Minuten eher losgegangen. Dann stand ich eine Weile länger als “unter normalen Bedingungen” und habe auf meinen Bus gewartet, der gleich in Begleitung von 2 weiteren Bussen kam. So gesehen hatte ich Glück, denn wenn 2 Busse im 10 Minuten-Takt ausfallen, hätte ich da schonmal eine knappe halbe Stunde stehen können, so waren´s nur 15 Minuten. Beim Umsteigen dann das gleiche. Ein Konvoi von 3 Bussen der gleichen Linie. Sehr viele Leute – alle in den ersten Bus, die beiden anderen fuhren leer vorbei (super Idee übrigens!). Stehen mit Spikes im vollen Bus ist nicht so genial, aber auch das war soweit kein Ding. Ebensowenig wie der Stau und die endlosen Diskussionen zwischen Fahrer und zusteigenden Fahrgästen, die die Weiterfahrt um etliche Minuten verzögerten – was soll´s. Das Umsteigen in den 3. Bus verlief ähnlich – der war voll, der leere kam gleich hinterher und brauste vorbei. Warum sollte mich das aus der Ruhe bringen? Auch den eisigen Abhang in Blankenese und das Überqueren knöchelhoch schneematschiger Seitenstraßen habe ich mehr oder weniger gut (und nur leise fluchend) hinter mich gebracht. Als ich mit 10-minütiger “Verspätung” nach etwa 75 Minuten bei meiner Mittwochsomi ankam sagte sie zu mir “das wird auch immer später!” Ich hielt schnell den imaginären Deckel auf mein inneres Pulverfass und sagte “guten Morgen!”, packte die bereitstehenden Altpapierpakete und schickte mich an, den ganzen Weg wieder nach vorne zur Papiertonne zu stapfen. Sie rief mir hinterher: ”Ist es etwa immer noch glatt, es hat doch Plusgrade?!” Mir entfuhr ein hysterisches Kichern, der Deckel wollte nicht wirklich drauf bleiben, aber ich hielt ihn krampfhaft fest. “Es war noch nie SO glatt und Plusgrade hat es garantiert nicht!”. Sie schüttelte den Kopf und ging wieder ins Haus, ich zur Tonne. Währenddessen redete ich mir gut zu. Das Thema Verspätung hatten wir schon ausreichend erörtert. Ich hatte ihr schon vor Monaten mal meine ehrliche und ungeschmückte Meinung über Bemerkungen dieser Art dargelegt. Danach war´s eine Weile gut. JETZT an DIESEM Tag, an dem jeder Schritt ein Kampf und ich froh war, überhaupt dort angekommen zu sein wieder so einen dämlichen Spruch zu hören brachte mich fast dazu, mir meinen Stock zu schnappen, bei Starbucks einen Café Latte Venti zu trinken und anschließend wieder nach Hause zu fahren. Aber ich beschloss, dem Tag eine Chance zu geben und ging hinein. Drin angekommen entledigte ich mich meiner Spikes und der Vermummung und warf einen Blick auf den Zettel mit meinen Aufgaben für diesen Tag. Geländer abwaschen stand an. Die Mittwochsomi enterte die Küche und begann zu erklären, dass ich dafür einen Schwamm nehmen möchte, aber die gelbe und nicht die grüne Seite und einen Eimer und viel Wasser, wobei sie das VIEL über die Maßen betonte. Ich nickte, sagte “okay!” und wollte die Sachen holen. – Es ist nicht so, dass ich nicht wüsste, wie und was, ich mache das – wie schonmal erwähnt – in diesem Haus bereits seit 10 Jahren. – Sie kam mir hinterher und meinte “Sie können ja diesen Reiniger nehmen, den wir immer hatten, den grünen… wie heißt er noch gleich…” sprach´s und der Kopf verschwand im Schrank unter der Spüle wo er nach kurzer Suche wieder auftauchte und mich fragend anschaute. “Dor?” half ich aus. “Ja genau! Das gibt´s bestimmt nicht mehr.” Ich sagte “doch, das gibt´s noch, wir haben nur schon 1 oder 2 Jahre keins mehr.” Nicht dass es eine Rolle gespielt hätte, es gibt jede Menge Alternativen, aber mach das mal der Mittwochsomi klar. Völlig entrüstet schaut sie mich an. “Ja warum sagen Sie denn nicht dass das alle ist!” – “Weil ich es nie benutze.” Sie schaut mich an und ich ahne schon was kommt… “Ja ICH hab es nicht alle gemacht.” Nach noch nicht einmal 10 Minuten hatte ich für den Tag genug. Ich gab auf. Resignierte. Sagte: “Nein, ich war´s. Wie immer. Oder die Heinzelmännchen.” Dann wollte ich schwupps aus der Tür um mich an dem vermaldedeiten Geländer abzureagieren. Mit VIEL Wasser. Aber man hielt mich zurück. “Frau K. habe ich Sie etwa verärgert?”
Was folgte war eine Grundsatzerklärung meinerseits, über Aussagen die unter bestimmten Bedingungen unangebracht sind, ungerechtfertigt, und obendrein überflüssig und mich – ja – verärgern. Sie sagte gar nichts und ich redete mir den obersten Teil von meinem Frust gerade heraus. Aber nur den obersten Teil. Ich dachte, das reicht fürs erste. Zur Antwort bekam ich folgendes. “Frau K. vor allem wünsche ich Ihnen ein dickeres Fell!”.
Ich habe mich davon derart nerven lassen, dass mir am Ende ganz schlecht war und so viel Wasser benutzt dass die Treppe schwimmen lernen konnte. Zur Versöhnung bekam ich eine Tafel Schokolade geschenkt und ein unverbindliches Gespäch über´s Wetter. Ich schätze, sie hat verstanden. Fragt sich allerdings für wie lange…
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Fast wie Urlaub by Bini on August 7th, 2009
Ich sitze im Garten in der Sonne, zwischendurch schau´ ich mal hier vorbei oder mit dem Kindi eine Folge "Prison Break".